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Betr.: Forum am Freitag am 14.6.2019 „Islamischer Religionsunterricht vor Reform“
OFFENER BRIEF 

Sehr geehrter Herr Rashid,

neben Herrn Arslan Yalcin als Islamlehrer und Herrn Prof. Khorchide vom Zentrum für Theologie an der Universität Münster haben Sie besonders ausführlich Herrn Musa Bagrac, ebenfalls Islamlehrer, zu Wort kommen lassen. Herr Bagrac hat in letzter Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten scharfe Kritik an der Arbeit des Beirats für den Islamischen Religionsunterricht in NRW geübt.

Eines seiner Hauptargumente ist immer wieder, dass der IRU-Beirat von den im Koordinationsrat der Muslime (KRM) vertretenen Verbänden kontrolliert und gesteuert wird. Wir halten es für ausgeschlossen, dass Herrn Bagrac nicht bekannt ist, dass sich der Beirat aus vier Vertretern der Verbände und vier unabhängigen Mitgliedern, die vom Schulministerium bestimmt wurden, zusammensetzt. Auch Ihnen, Herr Rashid, dürfte diese Tatsache bekannt sein. Andernfalls hätten Sie das bei Ihrer Vorbereitung mit einem Klick auf unsere Homepage unschwer ersehen können. Da die Mitgliedschaft der Ditib seit zwei Jahren ruht, waren seitdem die unabhängigen Mitglieder - unter anderem die geschäftsführende Vorsitzende, Frau Ezder – in der Überzahl.

Weder nimmt der Beirat für sich in Anspruch, den richtigen Islam zu vertreten, noch kann er das überhaupt. Unserer gemeinsamen Auffassung nach gibt es den „richtigen“ Islam auch gar nicht. Es hat immer verschiedene, manchmal sich widersprechende  Auslegungen der religiösen Quellen gegeben, und das ist auch gut so.

Im Gegenteil – in den Gesprächen mit den zukünftigen Islamlehrern war eine Frage immer wieder die, wie im Unterricht mit unterschiedlichen Überzeugungen, Rechtsschulen usw. umzugehen sei, wobei, basierend auf Koran und Sunna, gegenseitiger Respekt und Toleranz zu beachten sind. So haben auch keineswegs nur solche LehrerInnen die Lehrerlaubnis erhalten, die nach Herrn Bagrac eher einem „konservativen“ Islam-Verständnis zuzurechnen wären, sondern auch solche LehrerInnen, die sich wahrscheinlich eher als „liberal“ einordnen würden, u.a. Herrn Bagrac selbst. Wichtig war dem Beirat, eine je eigene reflektierte Haltung zur Religion wahrnehmen zu können.

Was die fachliche Qualifikation der Mitglieder angeht, die Herr Bagrac anzweifelt, so gehören dem Beirat Prof. Mouhanad Khorchide und JProf. Muna Tatari an, die an den Universitäten in Münster und Paderborn für die Ausbildung der zukünftigen Religionslehrer verantwortlich sind, sowie Religionswissenschaftler, Religionspädagogen und Pädagogen mit einschlägiger Vorerfahrung. Zu behaupten, der Beirat fühle sich quasi als Dienstherr, ist unverständlich. Dienstherr ist das Land NRW. Auf die Stellenvergabe hat der Beirat überhaupt keinen Einfluss.
 
Es wurde kritisiert, dass die Idschaza-Vergabe intransparent sei. Wirklich transparent wäre ein Auswahlverfahren per Fragebogen, wobei die Fragen vorher geübt werden können. Das ist aber nicht das Ziel der Gespräche. Der Beirat versucht, da es sich um einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht handelt, herauszufinden, ob der /die BewerberIn eine reflektierte Bindung an die Religion glaubhaft machen kann. Dabei orientiert er sich in den Gesprächen einerseits an dem, was die Bewerber als Motivation vortragen, und zum anderen an der Idschaza-Ordnung. Diese ist im Internet unter iru-beirat-nrw.de abrufbar und somit transparent. Ganz sicher kann man in der Beurteilung natürlich nicht sein, weil man nur das beurteilen kann, was gesagt wurde. Aber aus dem, was die BewerberInnen äußern, kann man schon Rückschlüsse ziehen. Eine reflektierte Haltung setzt zumindest minimale Kenntnisse des Gegenstands der Reflexion voraus (z.B. des Korans). Diese konnten in den meisten Fällen auch deutlich gemacht werden. Wo dies auch nicht ansatzweise erkennbar war, wurde entsprechend keine Lehrerlaubnis erteilt.

Wie gesagt, es kann durchaus sein, dass der Beirat sich in seinem Urteil irrt. Dann haben die Bewerber aber die Möglichkeit, sich ein oder auch mehrere Male zu einem weiteren Gespräch zu melden. Das hat in vielen Fällen auch zum Erfolg geführt, weil der Beirat am Ende des Gesprächs immer deutlich macht, wo noch Defizite gesehen werden.

Der Beirat hat selbst schon vor längerer Zeit das Schulministerium gebeten, eine unabhängige Schulbuchkommission zu bilden. Das wurde auch zugesagt, aber seitdem sind anderthalb Jahre ins Land gegangen, in denen nichts dergleichen geschehen ist.

Herr Bagrac hat nicht ganz Unrecht, wenn er moniert, dass der Beirat (zwar einige, aber) zu wenige Fortbildungen angeboten hat. Das ist tatsächlich ein Missstand, der aber von einem Beirat, der ehrenamtlich arbeitet, nicht zu bewältigen ist. Erfreulicherweise gibt es aber einen weiteren Lehrerverband VML (Verband muslimischer Lehrer), der, anders als der Verband, dessen Vorsitzender Herr Bagrac ist, weniger in den Medien ist, sondern sich vielmehr konkret und aktiv für den Islamischen Religionsunterricht einsetzt, indem er (ehrenamtlich!) Fortbildungen organisiert, Unterrichtsmaterial erstellt und online zur Verfügung stellt etc. Trotzdem sollte in Zukunft auch der Beirat bzw. die zu bildende Kommission mit stärkerer personeller und finanzieller Unterstützung in die Lage versetzt werden, selber qualifizierte Fortbildungen anzubieten.

Noch eine Anmerkung zu der zukünftigen Zusammensetzung der Kommission, die die Aufgaben des jetzigen Beirats übernehmen und vielleicht erweitern soll:

Da es sich im Islamischen Religionsunterricht um bekenntnisorientierten Religionsunterricht handelt, sollten – wie bei den christlichen Kirchen - einer zukünftigen Kommission nur bekenntnisgleiche Mitglieder angehören. So wie Katholiken und Protestanten beide Christen sind, aber sich in einigen grundlegenden Überzeugungen doch unterscheiden und deshalb getrennten Religionsunterricht haben, gibt es auch bei Muslimen unterschiedliche Überzeugungen, die unterschiedliches Lehrpersonal und unterschiedliche Unterrichtsinhalte bedingen. Es kann nicht angehen, dass in einer zukünftigen Kommission vor der eigentlichen Arbeit immer wieder grundlegende theologische Diskussionen geführt und entschieden werden müssen – wenn sie denn überhaupt entschieden werden können. Das ist nicht Aufgabe und liegt nicht in der Kompetenz der geplanten Kommission.

Wir können uns nicht vorstellen, dass Sie, Herr Rachid, nicht erkannt haben, dass Herr Bagrac Positionen vertritt, die nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind und nicht den Bestimmungen des bekenntnisgebundenen Religionsunterrichts entsprechen (vergleichbar mit dem christlichen Religionsunterricht).  Wenn Sie es für angebracht halten, Kritiker wie Herrn Bagrac in der Sendung zu Wort kommen zu lassen, und dies bleibt Ihnen natürlich unbenommen, hätten wir von Ihnen einen Kommentar erwartet, der die Zuschauer über die Gesetzeslage und die Grundlagen eines bekenntnisgebundenen Religionsunterrichts informiert. Wir hoffen, dass die Fakten in einer künftigen Sendung korrekt dargestellt werden, sofern das Forum am Freitag seine Aufgabe als eine Plattform der öffentlichen Meinungsbildung versteht und nach den Grundregeln des Pressekodex sorgfältig recherchiert.







 

 

 

 

 



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