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Fortbildung zum Thema "Sharia - der spirituelle Heilsweg."


Am 21.09.2017 organisierte der Beirat für den Islamischen Religionsunterricht eine Fortbildung zum Thema „Sharia - der spirituelle Heilsweg“. Als Referent war Dr. jur.  Ҫefli Ademi vom Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster eingela-den.


Die Fortbildung war in zwei Unterthemen gegliedert:

1.    Einführung in die Sharia-Wissenschaft
2.    Verhältnis zur Bundesdeutschen Verfassung


Dr. Ademi stellte zu Beginn fest, dass der Begriff  „Sharia“ in vielen verschiedenen Kontexten benutzt wird und häufig polarisiert. Dagegen sollte in dieser Veranstal-tung  ein Verständnis von Sharia vermittelt werden, das dem Begriff wirklich gerecht wird.

Zu der Polarisierung führt auch der Umstand, dass der Islam heute eher als Ideolo-gie wahrgenommen wird und nicht mehr als eine Religion. Diese Wahrnehmung führt dazu, dass die Religionsfreiheit in Bezug auf den Islam nicht vollumfänglich gewährt wird. Da der Islam unter der Rubrik Ideologie betrachtet, was zu prakti-schen Einschränkungen in der Gesellschaft führen kann.

Was heute unter der Scharia verstanden wird, hat nichts mit der traditionellen Scha-ria zu tun.

Scharia ist kein Gesetzestext, sondern es ist die Summe aller Verständnisse der jeweiligen Theologen aller Zeitalter seit dem Propheten bis heute. Damit ist Sharia ein Verständnisprozess, der nie endet.

Eine Frage, die öfters gestellt wird ist: „Wo ist der gemeinsame Ansprechpartner, der eine verbindliche Position äußert?“ Auf diese Frage gibt es keine Antwort - Die Muslime versuchen stets, die wahre Bedeutung des Islam herausfinden, aber es bleibt die Frage, wer im Besitz der wahren Bedeutung des Islam ist.

Vers 2/143 besagt: Wir machten euch zu einer Gemeinschaft der Mitte!“ (Koran 2/143).

Um den Islam und die Sharia zu verstehen, muss man den Propheten verstehen.
Ademi machte darauf aufmerksam, dass die Gelehrsamkeit wichtig sei, und dass man versuchen müsse, den Propheten und die Gefährten richtig zu verstehen.
Durch die früh einsetzende Gelehrsamkeit und die Tradition der Gelehrten  wurden authentische Informationen weitergegeben. Durch die Gelehrsamkeitstradition wurde neben Koran und Sunna auch die Methoden zum Verständnis des Islam und der Sharia vermittelt. Die Gelehrsamkeitstradition hat dazu geführt, dass die Aussa-gen des Korans richtig verstanden werden können.

Heute erlebt man bei vielen, dass sie sich im Namen der Religion äußern, ohne die traditionelle Methodologie des Islam zu kennen. Dadurch entsteht ein verzerrtes Verständnis des Islam.

Die islamische Tradition kennt die Idschaza (Lehrerlaubnis), wodurch Bildung und Gelehrsamkeit an die nächste Generation weitergegeben wurde. Erst wenn jemand eine bestimmte Bildung besaß und die Methodologie beherrschte,  bekam er die Genehmigung zu lehren. Heute wird durch den Bezug auf den Propheten die Id-schazakette und die damit verbundene Gelehrsamkeit  übersprungen, was dazu führt, dass ein verzerrtes Islamverständnis entsteht.

Die Gelehrsamkeit hatte im 11. Jahrhundert war sehr ausgeprägt und tief in der Wissenschaft verankert. Den Stand der Gelehrsamkeit und den hohe Niveau ver-suchte Ademi mit einem Beispiel aus dem Fußball zu veranschaulichen. Er meinte, dass die Gelehrten von damals Championsleague-Niveau hatten, wobei die Cha-ridschiten eher Kreisliga-Niveau hatten. Heute ist aber die Kluft zwischen den Ge-lehrten und den Laienpredigern geringer geworden, da die Gelehrten nicht mehr an das Niveau von damals herankommen.

Weiter hieß es, dass die Sharia der Weg zu einem verantwortungsbewussten Um-gang mit der Schöpfung sei.

Der Mensch zeichnet sich vor allen anderen Geschöpfen durch seine Spiritualität aus. 97% der Verse des Korans beschäftigen sich mit diesem Thema, nämlich mit
Iman (Glauben) und Ihsan (Umsetzung des Glaubens in gutem Verhalten). Der Beste unter den Menschen ist der, der den Menschen am nützlichsten ist. Dazu muss der Mensch sich selbst disziplinieren. Es gibt keine wirkliche Freiheit, ohne dass man sich diszipliniert.

Die meisten Verse des Koran betreffen die Ibadat (gottesdienstlichen Handlungen), nur wenige die Mu’amalat (gesellschaftliche Themen). Nur 150 Verse des Koran (ca. 3% aller Verse) sind Norm-stiftend.

Tatsächlich hat eine völlige Verschiebung der Wahrnehmung des Shariabegriffs stattgefunden. Heute gehen viele davon aus, dass 97% der Verse sich mit der Ge-setzgebung beschäftigen, was in völligem Widerspruch zu den Aussagen des Ko-rans  steht.


Ademi führte aus, dass die Sharia drei Leitfunktionen hat:

1.    Läuterung des Menschen durch Gottesdienst.
2.    Gerechtigkeit und Frieden in der Gesellschaft.
3.    Der Gesellschaft Nutzen bringen und Schaden abwenden.


Zum Schluss wurde erwähnt, dass man in Deutschland Trennung zwischen der Re-ligion und der religiösen Praxis nicht unterscheidet. Als Bespiel führte er an, dass die Verfassung eine verfassungskonforme religiöse Praxis verlange, dass aber die Menschen die religiösen Texte nach ihrer Verfassungskonformität prüfen würden. Man kann nicht die Religion, sondern die religiöse Praxis prüfen.



Ademi

Dr. Chefli Ademi




Gruppe



Gruppe2





 

 

 

 

 



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